denny-piranha.com/start/downloads/arma/ Reportage [Soldat in der NVA]
Mein NVA-Einberufungstag
Nach dem ganzen Zirkus der Musterung erhielt ich meine Einberufung zum Grundwehrdienst der NVA.
In meine persönlichen Planung passte das natürlich nicht, wem auch schon. 18 Monate sind kein Pappenstiel und vor allem für einen jungen Menschen um die 20 Jahre. Geld verdient hat man noch nicht und an die Familienplanung war für die nächsten 18 Monate auch nicht zu denken. Ich beneidete die, die diesen Dienst nicht antreten brauchen. Gründe gab es auch in der DDR genug diesen „ Ehrendienst“ zu umgehen.
Der mir zugestellte Einstellungsbefehl war ein 02.Mai.
So sollte ich mich am Morgen auf dem Fernbahnsteig Schönefeld einfinden um ins das allgemein berüchtigte Karpin bei Eggesin befördert zu werden.
Der Bahnsteig war voll junger Männer, die sich noch vor dem Bahnhof von ihren Eltern, Freundinnen usw., zu verabschieden hatten. Im eigentlichen Sinne waren wir Berliner und die durften nach alliiertem Recht für diese Stadt eigentlich nicht zur Volksarmee einberufen werden. Was scherte das die Oberen in diesem Land. Etwas neidisch blickten wir schon auf die gleichaltrigen Westberliner Jungen, die die Bundeswehr nie von innen sahen.
Der Bahnsteig war übervoll von uns, die völlig Ahnungslos zur Abfahrt bereit standen.
Unabhängig von ängstlichen Minen war ein sehr großer Anteil der Wartenden schon heillos betrunken und es wurde gegrölt und ganz offen darüber gemosert, dass man diesen unvermeidlichen Dienst nun antreten musste. Vor dem Bahnhof verlor man Unmengen von Tränen mit den Angehörigen und auf dem Bahnhof kamen dann die starken Seiten zum Vorschein.
Ich hatte keinen, der mir Tschüss sagte oder mir alles Gute wünschte. Das war ich, als ehemaliges Heimkind, gewohnt.
Die Lautsprecher des Bahnhofs kündigten den einfahrenden Sonderzug an, der am Bahnhofsende auch schon zu sehen war.
Der Zug stand und alles stürmte in die Abteile. Der Reiseproviant an Bier war schnell in Stellung gebracht.
Die auf dem Bahnhof stehenden Posten der NVA wurden aus dem Fenster verspottet. Der Sonderzug nach Pasewalk, Eggesin und Ückermünde trat seine Fahrt an.
Dieser Standort im Nordosten der ehemaligen DDR war einer der größten Truppenkonzentrationen der NVA und in so fern waren fast alle Waffengattungen dort stationiert. Jeder wusste seit seinem Einberufungsbefehl in welcher Waffengattung er sich stellen hat.
Mein Ziel war eine in Karpin stationierte Panzerdivision.
Die Bahnfahrt war ein besonderes Abenteuer. Irgendwer zog schon kurz nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof die Notbremse des Zuges unter dem Gelächter der Zuginsassen. Der Zugführer und Lokführer rannte wie wild um den Zug um den Grund dieses Stopps in Erfahrung zu bringen. Es dauerte eine Weile bis der Zug wieder auf Touren kam.
In den Abteilen wurde es immer lauter. Einige konnten sich nicht mehr auf den Beinen halten.
Nüchtern musste ich das mit ansehen, denn ich bin Antialkoholiker.
Wieder flogen wir fast durch den Waggon. Notbremsung ! Das wiederholte sich bis der Zug auf dem Bahnhof Pasewalk einfuhr. Sofort erkannten wir, dass diese Zugfahrt bei den Verantwortlichen der NVA Dienststellen nicht unbemerkt blieb , denn dort waren Soldaten mit roten Armbinden erkennbar, die sofort in die Waggons begaben um dem Treiben ein Ende zu bereiten.
Der Verlauf der Fahrt bis Eggesin verlief nun etwas gesitteter, nachdem uns allen gedroht wurde, dass weitere Ausschreitungen mit drastischen Konsequenten geahnt würden.
Der Zug hielt auf dem Bahnhof Eggesin. Inzwischen war es bereits später Nachmittag und wir krochen förmlich aus dem Zug. Lautsprecheransagen dienten der Orientierung auf welchen LKW man Platz zu nehmen hatte. Alle hatten ihre privaten Sachen an und mussten auf völlig verdreckten NVA Lkws Platz nehmen. Die Fahrt führte durch staubige Strassen. Wir waren völlig verdreckt, als der LKW das Tor der Kaserne passierte.
Inmitten der Kaserne befand sich eine Art Fußballplatz, der durch die einzelnen Kasernenunterkünfte eingegrenzt war. Aus den Fenstern riefen die dort lungernden künftigen Kameraden Sprüche, die für uns gerade nicht erbaulich waren.
„Ihr Spritzer „ so nannte man Einberufene, die sich im ersten halben Jahr der Dienstzeit befanden.
Völlig ungeordnet standen wir auf diesem Platz und der herrlichste Sonnenschein des beginnenden Monats Mai machte diese Atmosphäre immer bedrückender. Ich hätte sicherlich andere Pläne in dieser Zeit gehabt.
Inzwischen fanden sich immer mehr Offiziere und andere Verantwortliche ein, die mit wichtiger und bedeutungsvoller Mine und alles klar machten, dass ab sofort das zivile Leben für 18 Monate ein Ende fand.
Inzwischen erschien der Regimentskommandeur, ein Oberstleutnant, der von den anwesenden Offizieren und Unteroffiziersdienstgraden mit deutlich devoten Verhalten und Gesten begrüßt wurde. Die Neuen, die wir waren, gaben die vielfältigsten Kommentare dazu ab und kicherten über dieses unterwürfige Verhalten.
Um so erstaunlicher war es, dass diese soeben unterwürfigen Dienstgrade uns gegenüber klar stellten wer sie seien und was wir doch für „ Arschlöcher „ sind, die zu Hause „ auf der Feige „ lagen und vieles andere mehr. Und die, die da mit den Pilzköpfen rumstehen, würden als erste den Frisör kennen lernen. Überhaupt würden die Vorkommnisse auf der Einberufungsfahrt noch Folgen haben. Wie wollen sie das realisieren! Wir schüttelten nur den Kopf.
Nachdem die zuständigen Hauptfeldwebel ihre „ Neuen“ in Empfang nahmen rückten sie in die Unterkünfte ein. Das geschah natürlich nicht ohne abfällige Bemerkungen über uns, die sowieso alle Blöd sind. Wir jedoch fanden bestätigt, was in der Bevölkerung über den Bildungszustand der unteren Dienstränge gehalten wurde.
Angekommen in der Kompanie waren wir über den extrem langen Flur erstaunt und vor allem über den Schlafraum. Hier waren 40 Soldaten unterbracht. An einen persönlichen Bereich ist hier nicht zu denken. Zumal hier auch die so genannten Entlassungskandidaten und Hüpfer untergebracht waren. Wir konnten noch wissen welche eigentümliche Dinge in solcher Konstellation abspielen würde,
Wir warteten auf die Dinge die noch auf uns zukommen würden. Eine trügerische Ruhe vor dem Sturm begann und wir dachten, dass man uns vergessen hätte.
Ein lautes Geschrei auf dem Kompanieflur, ausgelöst durch den auf Eingang sitzenden Unteroffizier vom Dienst, ließ uns nichts Gutes erahnen.
Raustreten zur medizinischen Untersuchung ! hieß es. In einem nicht all zu militärischen Tempo verließen wir dieses Massenquartier, welches sich Schlafraum nannte. Der Hauptfeldwebel beobachtete genüsslich unseren Trott um sofort brüllend klar zu machen, dass die „ Müttersöhnchen „ Bewegung zu zeigen hätten. „ Ich werde Euch noch zeigen wer ich bin, ihr verweichlichten Typen „
Die medizinische Untersuchung war der reinste Lacher, denn wir mussten sozusagen durch ein Spalier von Soldaten mit weißen Kitteln laufen, die irgendetwas murmelten, was andere aufschrieben. Dann plötzlich links und rechts einer mit einer Spritze, die links und rechts in den Oberarmen versenkt wurden. Frage Blicke wurden mit der Notwendigkeit dieser Maßnahme kommentiert. Zum Schluss stand dann noch der Chef des Med-Punktes vor einem und mit gewichtiger Mine erfolgte das Kommando „ Wegtreten“!
Gleich um die Ecke ging’s dann zum Frisör, der uns einen militärischen Haarschnitt zu verpassen hatte. Nur die „ Pilzköpfe“ hatten hier einen bevorzugten Zutritt.
Nachdem diese Aktionen beendet waren sahen wir alle uniformiert aus und passten jetzt wohl in das Bild der NVA. Ähnlichkeiten, wie zum Beginn unserer Abfahrt waren nicht mehr feststellbar.
Der erste Tag war gelaufen. Die Abendsonne strahlte durch die Fenster des Schlafraumes und wir lagen bereits um 21.30 in den Betten, weil der morgige Tag ein sehr anstrengender werden würde.
Das Kommando des UvD war laut und deutlich zu verstehen „ Kompanie Nachtruhe „
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